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Mediennutzungsverhalten ändert sich

Edition Frau Krieger | Es schreibt Ihnen Frau Krieger.

Unser Verhalten hat sich grundlegend geändert. En Gros leben wir digitaler, auch im Büro: Der Papierkorb steht zwar noch unterm Schreibtisch, aber wir füttern weitaus häufiger den kleinen grauen unten rechts auf unserem Desktop. Leitzordner war gestern, heute wird auf dem Rechner archiviert; der Back Button der Tastatur ersetzt unser Tipp-Ex.
Der Fortschritt hat längst Fahrt aufgenommen, nur besser und schneller als bisher. Wir sind Zeugen einer Evolution in Echtzeit, hörte ich erst kürzlich.

Der Information overload, den wir meinten via Internet in den 90ern kennenzulernen, erhält mit dem Social Web und der ständigen Verfügbarkeit von Nachrichten via Mobile Devices neue Qualität. Im Dschungel zwischen Push und Pull entwickeln sich andere Mediennutzungsmethoden, neue vertrauensvolle Quellen, Seelenheil versprechende Communitys.

Sogar unsere Sprache ändert sich: Es entstehen u.a. neue Codes {OMG! 😉 HDGDL etc.}. Unser Austausch wird zunehmend digital, das geht immer, auch schneller und einfacher. Während der Goldfisch angeblich über ein Kurzzeitgedächtnis von 8 Sekunden verfügt, bleiben Posts nur 7 Sekunden in unseren Köpfen.

Aus den USA kommt die Erkenntnis, dass dadurch auch das Einfühlungsvermögen und die Konfliktfähigkeit sinken – vor allem bei den nach 2000 Geborenen. Kleinkinder sind heute in der Lage, PC und Tablet intuitiv zu bedienen – weit bevor sie lesen und schreiben können. Jeder 10. Dreijährige klickt sich regelmäßig durchs Netz, ein Drittel zwischen 3 und 8 Jahren ist regelmäßig online (DIVISI, U25-Studie, 2015). Schöne, neue Welt!?!? Wir meinen, die Vorteile überwiegen.
BTW: Ein Zurück gibt es eh nicht!

Die herkömmlichen Medien verlieren ihre Gatekeeper-Rolle. Gedrucktes hat ohne Hintergrundbericht nahezu keine Chance mehr, gelesen zu werden. Tageszeitungen werden verschwinden. Heute interessieren sich nicht mehr viele für Neuigkeiten, die älter als 12 Stunden sind. Zumindest nicht die, die sich alternativer Technologien der Nachrichtenbeschaffung bedienen. Print wird nicht verschwinden. Nischen zu besetzen bleibt als Chance. Hoffentlich.
„Wir erleben die größte kulturelle Veränderung unserer Zeit“, sagte Bestseller-Autor und Social Media-Experte Gary Vaynerchuck während der diesjährigen Tagung der Online Marketing Rockstars in Hamburg.

Der Wettbewerb um Aufmerksamkeit ist in vollem Gang. Zeit ist seit jeher kostbar. Aufmerksamkeit schickt sich an, für immer den zweiten Rang einzunehmen. Das setzt voraus, dass der Informationsfluss adäquat und relevant ist.
Es verwundert nicht, dass von montags bis freitags das Smartphone die Tageszeitung und das Fachmagazin in der deutschen Mediennutzung bereits überholt hat. Auch das Fernsehen rangiert an Werktagen nur noch auf Platz 2, mehr als 20 Prozentpunkte hinter Desktop und Laptop (BVDW, Statista 2015), Second Screen nicht mitgerechnet.

Die US-Amerikaner als ewige Vorreiter können noch genauer spezifizieren: Fast jeder Dritte in den USA nutzt mehr als 4 Quellen täglich. Jeder zweite textet lieber, als dass er telefoniert und checkt sein Smartphone im Schnitt 43 Mal am Tag! 90 Prozent sind bei Facebook, etwas mehr als 40 % täglich.

Gary Vaynerchuck sagt, dass die unter 24-jährigen bereits heute die rechte Seite einer Homepage nicht mehr beachten, weil Facebook sie anders konditioniert hat. Doch Zielgruppen sind nicht allein Generation Y und Z, sondern breiter gestreut und oft älter als man denkt.

Im B2B nutzen Entscheider das Web vornehmlich passiv als Lexikon, 20 bis 30 Prozent sind in den sozialen Netzwerken aktiv und verbringen im Schnitt bis zu vier Stunden täglich für Recherchen. Beliebt sind dabei Inhalte, die einen gesunden Mix aus Branchenumfeld und Tagesgeschehen bieten.

Ob 3, 30 oder 63: Jeder sucht Orientierung. Dabei sind die Grenzen zwischen beruflicher und privater Nutzung fließend. Doch diese Grenzen verwischen und verschmelzen zusehends. Wir meinen: Das muss sich noch stärker in der Aufbereitung von Botschaften und Nachrichten widerspiegeln. Wer das ignoriert, läuft Gefahr abgehängt zu werden. Die Zukunft gehört den Mobile Devices!

Angebrochen ist die Ära, in der Menschen maximal eine Armlänge weit vom Smartphone entfernt leben können – auch nachts. Meine Mutter ausgenommen.

Von | 2017-12-27T09:55:24+00:00 März 17th, 2016|Edition Frau Krieger|
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